Das Erwachen der weiblichen Sexualität – Yonimassage als Heilungsweg

Inari H. Hanel Yoni-massage als Heilungsweg
Inari H. Hanel, Frauenmasseurin Nähe Passau

Dieser Artikel von Inari H. Hanel, Gesundheitspraktikerin BfG f. Sexualität, erschien in dem Buch „Frauenheilkunde natürlich“ Elisabeth P. Jagfeld. Wir dürfen ihn ihn hier veröffentlichen. Sie schreibt über Yonimassage als Heilungsmöglichkeit für die weibliche Sexualität, über das Antiblockiersystem für die Lust, sie blickt zum Einstieg zurück in die Geschichte und gibt zum Schluss einen Ausblick auf eine neue Sexualkultur.

Fachartikel von Inari H. Hanel

(Inari H. Hanel). Die bewusste Frau von heute beginnt irgendwann in ihrem Leben das Thema der eigenen Sexualität und Lust zu erforschen. Dabei kann sie oft feststellen, dass sie an Grenzen und innere Blockaden kommt. Diese Themen können in der Biographie der Frau ihren Ursprung haben.
Sehr oft haben sie jedoch mit der Geschichte des Frauseins an sich zu tun. Denn 2000 Jahre Christentum in einer körperfeindlichen Kultur haben tief in uns ihre Spuren hinterlassen. Ein Dornröschenschlaf der Sprachlosigkeit hat sich über alles gelegt, was mit Fortpflanzung, Lust
und Körperlichkeit zu tun hat. Tatsächlich fehlen uns heute buchstäblich die Worte, um unseren Körper und seine Funktionen zu  beschreiben, und um unsere Wahrnehmung und unser Fühlen in der Sexualität auszudrücken.

Die in den 60er Jahren einsetzende sexuelle Revolution mit der nachfolgenden Pornowelle und der Kommerzialisierung von Körperlichkeit und Sexualität hat uns nicht wirklich freier gemacht, sondern hat uns zusätzlich noch Leistungsdruck und Anspannung beschert. Denn nun wurde es quasi zur Pflicht, lustvoll zu sein. Und die Medien zeigen uns sexuell aktive Frauen mit makellosen Körpern – optisch perfekt in Pose gestellt, bestens ausgeleuchtet und digital bearbeitet. Tief in uns hat sich die Überzeugung breit gemacht: „Nur ein perfekter Körper ist ein lustvoller Körper“. Jede Falte und jedes zusätzliche Kilo hemmen uns und blockieren den individuellen Ausdruck von Körperlichkeit und sinnlicher Freude.

Was für ein Spannungsfeld, in dem wir Frauen uns da befinden. Die alten Tabus behindern uns, und die sogenannte sexuelle Befreiung stellt neue Normen und Anforderungen an uns. Somit ergibt sich die Notwendigkeit einer anderen Sexualkultur, die unserem heutigen Bewusstheits- und Wissensstand entspricht. Einer Sexualkultur, in der wir uns erlauben können, ganz tief mit uns in Kontakt zu sein, unsere Wahrnehmungen, Gefühle und Emotionen authentisch auszudrücken, den ureigensten Impulsen zu folgen. In der die Partner in Selbstachtung und Selbstverantwortung zusammen kommen, und in der Raum ist für spirituelles Erleben.

Die Sprache wiederfinden

So gilt es wohl als Erstes, unsere Sprache im Bereich von Sexualität und Intimität wiederzufinden, damit wir uns stimmig und zutreffend mitteilen können. Wie nennen wir zum Beispiel unseren Intimbereich, wenn wir nicht „da unten“ sagen wollen? Sagen wir „Scheide“, dann
verwenden wir ein Wort aus der Kriegskunst (das Schwert in die Scheide stecken). Sagen wir Vagina, dann sind wir im medizinischen Vokabular. Lasst uns kreativ werden und schöne Bezeichnungen verwenden für die Organe, die uns so viel Sinnlichkeit und Lust schenken können. Andere Kulturen sind da sehr phantasievoll: Jadetor, geheime Grotte, Muschel … Mit positiven Bezeichnungen für unseren Körper achten und ehren wir uns in unserem Frausein: Statt Schamlippen dürfen es Charmelippen, Venuslippen oder Rosenblätter sein. Und aus
Brustwarzen werden Brustknospen oder Rosenknospen.

Inari Hanel - Frauenstatue im GartenDie Kommunikation im Bereich von Sexualität und Intimität ist nicht nur deshalb so schwierig, weil wir so wenige Worte für die Genitalien und seine Funktionen haben. Wir Frauen haben auch ein Handicap, unseren Intimbereich wahrzunehmen und in gutem Kontakt damit
zu sein. Das liegt in unserer Anatomie begründet: Unsere Geschlechtsorgane sind größtenteils im Inneren unseres Körpers verborgen. Sie sind, wenn überhaupt, nur sichtbar, wenn wir uns ganz bewusst vor den Spiegel setzen und uns anschauen. Die Nervenverbindungen zwischen Hand und Augen über das Gehirn zu den Genitalien sind bei uns nicht so deutlich ausgebildet wie beim Mann, weil wir sie nicht sehen. Das heißt, die sinnliche genitale Wahrnehmung für uns selbst ist eingeschränkt. Eine wunderschöne Selbsterfahrungsübung kann uns helfen, diese Nervenverbindungen auszubilden und zu trainieren, indem wir uns über einen längeren Zeitraum regelmäßig vor den Handspiegel setzen und „das andere Gesicht“ genau so liebevoll und achtsam eincremen wie den anderen Körper auch.

ABS = Atem, Bewegung und Stimme – das Anti-Blockiersystem

Wer den Weg für mehr Wohlbefinden und Erfüllung in der Sexualität gehen mag, hat inzwischen die Möglichkeit, sich kompetent begleiten und unterstützen zu lassen. Frauenmassage, Schoßraumarbeit und Sexualcoaching bieten körperorientierte Selbsterfahrung an, die uns hilft
in tieferen Kontakt mit unserer Yoni (Definition siehe weiter unten) zu kommen und ein „Körperfühlspüren“ zu entwickeln. Eine große Rolle spielen dabei Atem, Bewegung und Stimme (ABS=Antiblockiersystem), denn sie erhöhen das Level unserer Lebensenergie, und somit auch unserer Sexualenergie. Der Weg zu intensiverer sexueller Lust geht über eine vertiefte Atmung. Wie ein Blasebalg entfacht ein tieferer Atem aus der sanften Glut beginnender Erregung das lodernde Feuer von Lust und Körperekstase. Bereits wenige Minuten einer leicht vertieften Atmung genügen, um ein sanftes Perlen und Prickeln in unseren Zellen wahrzunehmen und mehr Lebendigkeit zu spüren. Und eine tiefere Atmung bringt uns auch in einen verstärkten Kontakt mit unseren Gefühlen und Emotionen. Möglicherweise kommen dann Themen und Verletzungen hoch, die wir durch einen flachen Atem unten gehalten haben. Das gibt uns die Möglichkeit, diese Themen zu fühlen, sie auszudrücken und zu integrieren. Der Lohn ist ein tieferer Kontakt mit uns selbst und mehr Ganzheit in Körper und Seele.

Der zweite Schlüssel in diesem Antiblockiersystem ist die Bewegung. Bewegung bringt Energie ins Fließen. Bereits ein kurzer Tanz lässt uns wahrnehmen, wie es in uns pulsiert und strömt. Wir fühlen uns lebendiger und wacher. Und so wie die Bewegung im Tanz uns in unsere
Tiefe führen kann, wenn wir den Impulsen des Körpers folgen, so kann das auch beim Liebemachen oder in der sexuellen Selbstliebe geschehen. Wie fühlt es sich an, wenn ich das Becken genüsslich vor und zurück schaukle, mich dehne und strecke, ganz absichtlich den
Atem dazu nehme? Vielleicht auch mal bewusst die Augen öffne und mein momentanes Empfinden durch die Augen ausdrücke? Und was geschieht in mir, wenn ich die Stimme dazu nehme, welcher Laut will gerade aus meiner Kehle kommen?

Die Stimme ist das dritte ABSElement. Wir bringen mit unserer Stimme unsere Innenwelt nach außen, sowohl mit den Worten der Sprache, als auch nonverbal mit den Tönen, die jetzt eben im Moment ausgedrückt werden wollen. Wir drücken durch die Kehle aus, was uns innerlich berührt und bewegt. Gerade in Zuständen von hoher Lust und Erregung ist das Tönen, das Seufzen und Stöhnen auch wie ein Ventil, das den Energiepegel in natürlicher Weise regulieren kann. Wenn die Situation und die Räumlichkeit passt, darf das ruhig auch mal lauter werden. Es tut so unendlich gut, ganz laut mit der eigenen Kraft zu sein, auch mal schreien, weinen oder dabei lachen
zu dürfen.

„Bin ich normal?“

Obwohl so gut wie alle Medien Sexualität als Hauptthema behandeln, gibt es sehr viele Fragen und tiefsitzende Unsicherheiten bezüglich des eigenen Körpers und der eigenen sexuellen Reaktionen. Die häufigste Frage der Frau dabei: „Bin ich normal?“

  • „Bin ich normal, weil meine inneren Schamlippen so lang sind?“
  • „Nach der Geburt meines Kindes ist mein Empfinden in der Vagina verändert – was kann ich
    tun?“
  • „Mit Beginn der Wechseljahre ist mein sexuelles Verlangen geringer geworden – ist das normal?“
  • „Bin ich normal, weil ich nicht zum Orgasmus komme, wenn der Mann in mir drin ist?“

Massageraum Inari Hanel PassauEine ganz konkret körperliche Begleitung und Unterstützung im Erforschen der eigenen Sexualität ist die sogenannte Yonimassage. Sie wird auch Frauenmassage oder Schoßraum-Massage genannt. Der Begriff „Yoni“ kommt aus dem Sanskrit und meint dabei den gesamten
weiblichen Schoßraum, sowohl den äußeren und den inneren Genitalbereich, als auch die Gebärmutter und die Eierstöcke. Zudem wird mit „Yoni“ auch das spirituelle Zentrum der Frau, der Tempel der Weiblichkeit verehrt. Eine Yonimassage ist also eine Ganzkörpermassage, die auch den Genitalbereich der Frau auf selbstverständliche Weise mit einbezieht.

Bei der Yonimassage kommt es zu keiner sexuellen Interaktion. Die empfangende Frau ist eingeladen in einen tiefen Kontakt mit sich selbst zu gehen. Zu spüren, was ihr gut tut, und sich damit mitzuteilen. Für viele Frauen ist das schon mal eine völlig neue Erfahrung: in einem
Zustand von wohliger Entspannung die eigenen Empfindungen wahrzunehmen und diese gleichzeitig auszusprechen. In achtsamer und absichtsloser Weise wird der äußere Bereich der Yoni und mit Zustimmung der empfangenden Frau auch die innere Yoni berührt, gehalten und massiert.

Die zwei Hauptrichtungen in der Yonimassage

In der Yonimassage haben sich zwei Hauptrichtungen entwickelt. Einmal das begleitete Erkunden der eigenen Lust. So manche Frau kann da zum ersten Mal die Erfahrung machen, wie es sich anfühlen kann, Entspannung und Lust gleichzeitig wahrzunehmen. Zu erlauben,
dass sich diese so individuellen Wellen der Lust im ganzen Körper ausdehnen. Dass der Orgasmus geschehen darf und nicht gemacht wird. Ein echter Heilungsweg für Frauen, die ihr ureigenes Potential an Lust und Ekstase bisher nicht leben konnten.

Inari Hanel - Relief mit Yoni-KunstDie zweite Hauptrichtung wird als Yoni-Heilmassage oder auch als Prozessbegleitung in der Yonimassage beschrieben. Wir dürfen inzwischen davon ausgehen, dass in unseren Zellen mehr Erinnerungen gespeichert sind als lediglich die Erbinformation. Moderne Körpertherapien sprechen von Zellerinnerungen. Schmerzliche Erfahrungen und Verletzungen aus der eigenen Sexual-Biographie, aus der Geschichte unserer direkten Ahnen, und auch aus dem morphogenetischen Feld können durch Berührung und durch die dahin geleitete Aufmerksamkeit aus den Körperzellen wieder erinnert, gefühlt und bearbeitet werden. In der Yoniheilmassage werden diese Bereiche von Zellerinnerung ganz bewusst aufgespürt und gehalten. Die empfangende Frau spürt möglicherweise einen Schmerz oder Druck, oder eine andere Empfindung oder Wahrnehmung. Sie wird dann von der Masseurin eingeladen, diese Empfindung sich im ganzen Körper ausbreiten zu lassen und zu fühlen, welcher emotionale Gehalt damit verbunden ist. Dazu wird der Atem zu Hilfe genommen. In ganz spezieller Weise dürfen dann diese Zellerinnerungen zusammen mit dem emotionalen Ausdruck den Körper verlassen. Das fühlt sich für die empfangende Frau oftmals sehr erleichternd und befreiend an. Somit ist die Yonimassage ein wirksamer und ganzheitlicher Weg, um in der Erforschung der eigenen Sexualität eine begleitete Reise zu sich selbst anzutreten. Die Masseurin ist dabei nicht die Reiseführerin, sondern eine kompetente und einfühlsame Begleiterin. Und in dieser Form fällt die Yonimassage nicht unter den Begriff Therapie, sondern sie ist eine Verbindung von Massage, Körper- und Atemarbeit und begleitender Kommunikation. Gleichzeitig hat sie ein enormes Heilungspotential.

Die Zeit ist reif für eine neue Sexualkultur

Die Zeit ist reif, dass frau immer deutlicher weiß, was ihr gut tut, und dass sie das auch kommunizieren kann. Damit übernimmt sie selbst
Verantwortung für ihr sexuelles Erleben. Sie weiß, wie sie mehr Sexualenergie, und damit mehr Lebensenergie für sich generieren kann. Und somit genießt und teilt sie aus ihrer Fülle heraus den Sex mit dem/der Partner/in. Die Frauenmassage ist dafür ein wirksamer und ganzheitlicher Weg in eine erfüllte weibliche Sexualität. Wer sich eingehender über dieses Themenfeld informieren möchte, dem empfehle ich den Link www.yoni-massage.info, bzw. die Infoseite zum Ausbildungszyklus in Frauenmassage und Sexualcoaching von Nhanga Ch.
Grunow, www.perlentor.com oder die im Anhang aufgeführten Buchempfehlungen.

Autorin
Inari H. Hanel
Gesundheitspraktikerin BfG für Sexualität
Psychotherapie HPG
inari.info@web.de

Sie praktiziert in Passau.