Was ist Sexological Bodywork? Interview mit Janine Hug

Immer öfter taucht im Zusammenhang mit Sexualtherapie der Begriff des Sexological Bodywork auf. Was man sich darunter vorstellen kann und was das mit Yoni-Massage zu tun hat, erklärt Janine Hug vom Ausbildungsinstitut ISSB in der Schweiz in diesem Interview.

Eine Methode der sexualtherapeutischen Arbeit ist Sexological Bodywork. Sie beinhaltet auch Berührung und Intimmassage, wenn es angebracht ist. Was versteht man unter Sexological Bodywork?

Janine Hug Sexological Bodywork Schweiz Interview
Janine Hug: „Bei Sexological Bodywork geht es um ganzheitliche sexuelle Bildung. Im Fokus steht das Lernen“

Sexological Bodywork ist ein durch den Bundesstaat Kalifornien anerkannter Beruf, welcher seit 2009 in der Schweiz am International Institute for Sexological Bodywork IISB® in Zürich unterrichtet wird. Inzwischen gibt es auch Trainings in Berlin, München und weltweit an diversen Standorten.

Sexological Bodywork ist eine lebendige, kreative und sehr effektive Form somatischer Körperarbeit. Sie verbindet körperorientierte Sexualberatung mit sexologischer Körperarbeit. Mit verschiedenen Methoden, wie Berührung, Atmung, Bewegung, Massage und Kommunikation, finden Menschen zu mehr Körperbewusstsein und einem authentischen Ausdruck ihrer Sexualität.

Die Kunst der Intimmassage zu vermitteln ist ein wichtiger Teil eures Seminarprogramms – Inwieweit wird Yoni-Massage oder Schoßraumarbeit in das Sexological Bodywork mit einbezogen?

Wir arbeiten grundsätzlich ganzheitlich, daher auch mit Genitalberührungen. Der Hauptunterschied ist, dass es bei uns nicht einfach um eine Massage geht. Sondern wirklich um somatisches Lernen. Daher wir nutzen Massagetechniken wie Yoni-Massage, oder das Pendant für die Männer, die Lingam-Masssage. Aber diese dienen immer dem Lernen. Nicht, dass Genuß ausgeschlossen ist, aber das ist nicht der Fokus.

Eine der Methoden heisst z.B. „Genitale-Forschungsreise“. Da kann der*die Klient*in den Practitioner anleiten, was sie/er spüren möchte, was sie kennen lernen möchten. Für viele Menschen sind die Genitalien ja oft noch unbekannte Regionen. Bei Frauen vor allem auch die inneren Berührungen, daher die vaginale Forschung. Der Fokus ist daher auf das „Sich besser spüren können“, mehr Bewusstsein für sich und seinen Körper, Energien und Emotionen zu erhalten.

Wie lange gibt es die Methode schon und wer hat sie erdacht?

Die Methode gibt es seit etwas mehr als 15 Jahren und hat ihren Ursprung in Kalifornien am Institute for Advanced Studies for Human Sexuality in San Francisco. In der Geschichte nimmt Joseph Kramer sicher eine zentrale Position ein. Aber inzwischen hat sich der Beruf weltweit entwickelt und viele Menschen bringen ihr Wissen und Können mit ein.

Ihr bietet eine Ausbildung in Sexological Bodywork in der Schweiz und in Deutschland an, kannst du mir kurz den Inhalt, die Dauer und die Kosten nennen?

Der Diplomlehrgang Sexological Bodywork ist grundsätzlich in 3 Teile unterteilt. Teil 1 ist ein geführtes Heimstudium welches ermöglicht die Methoden und Techniken praktisch und theoretisch kennenzulernen. Teil 2 sind ca. 14 Tage vor Ort Training. Da gibt es unterschiedliche Verteilungen mit einem Modul am Stück bis 4 Module über ein Jahr verteilt. Teil  3 sind dann 50 Übungssitzungen welche die Menschen geben um die Methoden zu vertiefen. Alles in allem dauert die Ausbildung bis zur Zertifizierung ca. 1 – 1.5 Jahre und kostet etwa CHF 3600.

Darüberhinaus bieten wir auch eine weitergehende Ausbildungslehrgang sexologische Körpertherapie IISB® an, bestehend aus dem Ausbildungslehrgang Sexological Bodywork IISB®, dem Lehrgang Somatische Sexualberatung IISB® und dem Pelvis-Work Practitioner IISB®. Der Ausbildungsumfang ist doppelt so zeitaufwenig und die Kosten liegen bei ca. CHF 7900.

In den letzten Jahren sind mehrere sexualtherapeutische Angebote entstanden, die Berührung mit einschließen. Wie würdest du einen Sexological Bodyworker von Gesundheitspraktikern für Sexualkultur und zertifizierten Tantramasseuren/innen bzw. Schoßraumheilerinnen abgrenzen?

Nun, grundsätzlich ist unsere Haltung, dass es in diesem Bereich noch viel mehr Berufe brauchen wird in Zukunft. Berufe, welche es ermöglichen, dass Menschen mehr mit sich, ihren Körper und ihrer Sexualität in Kontakt kommen. Und natürlich sind die Grenzen fliessend und die Frage ist immer, was bietet eine Person unter diesem Titel an.

Wenn ich ein Alleinstellungsmerkmal von Sexological Bodywork benennen müsste, dann wäre es sicher der Fokus „Lernen“. In unseren Sitzungen geht es immer um das Öffnen von Lernräumen. In dem Sinne geht es bei Sexological Bodywork um eine ganzheitliche sexuelle Bildung.

In Deutschland gibt es seit Inkrafttreten des neuen Prostitutionsschutzgesetzes große Verunsicherung bei Tantramasseurinnen, Gesundheitspraktikerinnen für Sexualkultur und Sexological Bodyworkern. Jetzt muss sich jede/r Anbieter/in, der eine Intimberührung oder Intimmassage anbietet, als Prostituierte/r registrieren lassen. Das schreckt viele ab und führt vermutlich dazu, dass viele tolle Anbieter ihre Tätigkeit einstellen. Schließlich ist derzeit noch unklar, wie lange die Registrierung in den Akten bleibt. Wie ist das in der Schweiz geregelt?

Gelten Sexological Bodyworker als Therapeuten oder Prostituierte?

Die bisherigen Erfahrungen weltweit haben gezeigt, dass Sexological Bodywork nie unter die Prostitutionsgesetze fallen. Das war in der Schweiz so und auch in Österreich und von daher ändert das neue Gesetz in Deutschland für uns wenig. Das Entscheidende dabei ist, dass es bei uns um sexuelles Lernen geht und nicht um eine sexuelle Dienstleistung.

Das soll es aber nicht so verstanden werden, dass wir uns über die Prostitution stellen wollen, sondern es ist einfach ein ganz anderer Rahmen.

Kannst du schätzen, wie viele Sexological Bodyworker in der Schweiz arbeiten und wie viele es in Deutschland gibt? Sind sie in einem Verband organisiert?

Es gibt weltweit verschiedene Verbände und im deutschsprachigen Raum gibt es den „Europäischen Verband für Sexological Bodywork„.

Es ist schwierig, eine genaue Zahl zu benennen. Da nicht alle Menschen dann unter diesem Titel arbeiten. Aber ich würde mal schätzen, es sind so um die 50-60 aktive Sexological Bodyworker*innen im deutschsprachigen Raum, also Schweiz, Österreich und Deutschland.

In diesem Video stellen sich Janine Hug und Didi Liebold, die Gründer des ISSB in Zürich, vor.

 

Hier noch zwei Links zur den DVDs aus dem International Institut for Sexological Bodywork:

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